„Wir wünschen uns, dass die Toilettentür wieder eingehängt wird“

Bikepark, einen McDonalds oder freie Tampons in den Toiletten - die Wünsche beim Jugendhearing in Aulendorf schwankten zwischen realistisch-konstruktiv und Wunschdenken.

 

Ein Wunsch der Jugendlichen überraschte Bürgermeister Matthias Burth. Eine ausgehängte Toilettentür im Schülerklo - das gehe natürlich nicht. Bei anderen Themen konnte er nicht direkt grünes Licht geben, nahm aber einige der Vorschläge mit. Über 100 Jugendliche hatten sich zum Jugendhearing in der Aulendorfer Stadthalle angemeldet.

 

Der Geräuschpegel ist hoch, die vielen Tische voll und die ausgelegten Plakate eng und bunt beschrieben. Beim jüngsten Jugendhearing, bei dem Jugendliche sagen dürfen, was sie an ihrer Schule und an ihrer Stadt gerne ändern möchten, sprangen viele Ideen heraus. Manche realistisch und machbar, einige utopisch, aber für Jugendliche nachvollziehbar. Bürgermeister Burth hörte sie sich an und gab sein Feedback.

 

Ciara Haarmann, Lucas Keckeisen und Miruna Toma sitzen am Tisch mit dem Thema „Freizeit“. Die anderen Tische haben die Schwerpunkte Umwelt, Digitalisierung oder Mobilität. Die drei wünschen sich mehr Anreize, um auch nachmittags länger in Aulendorf zu bleiben oder am Wochenende hinzufahren. Aktuell seien die Geschäfte „eher auf ältere Menschen eingerichtet“, finden sie. Dabei liefern sie direkt genaue Vorschläge - ein Bikepark zum Beispiel wäre gut.

 

Einen Vormittag lang haben die über 100 Schüler alles aufgeschrieben, was ihnen auf der Seele brennt. Am Schluss stellen sie es in Gruppen gebündelt vor. Viele wünschen sich mehr Möglichkeiten für die langen Pausen, bessere Fahrradwege und eine App für die Schulbusse. Weniger Kontrolle durch die Lehrkräfte. Überhaupt seien die Busse zu voll und die Schüler der Teilorte müssten oft sehr früh aufstehen - und dann die Zeit an der Schule totschlagen. Auch für bequemere Stühle machen sie sich stark. „Die jungen Knochen brauchen das“, so die Erklärung. Wer lange auf harten Holzstühlen gesessen hat, kann den Wunsch nachvollziehen.

 

Ein Wunsch erntet lauten Applaus

 

Manches erscheint pragmatisch-sinnvoll, wie kostenlose Hygieneartikel für Mädchen - damit der für viele, unangenehme Gang zum Schulsekretariat erspart bleibe. Anderes ist wiederum schwer umzusetzen, weil es nicht im Ermessen der Stadt oder der Lehrkräfte liege.

 

Ein Wunsch erntete lauten Applaus: Vor allem die Jungs einer Schule wünschten sich, dass die Toilettentür wieder eingehängt werde. Diese fehle seit längerer Zeit - Grund waren Verschmutzung der Toiletten oder rauchende Jugendliche - doch die Privatsphäre müsse sein, fanden die Jugendlichen. Und wenn schon Lehrer die Schüler in den Toiletten kontrollierten, dann bitte nur gleichgeschlechtlich.

 

Begleitet wurde das Jugendhearing vom Haus Nazareth, der offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Stadt und dem Kreisjugendring Ravensburg. Auch die Jugendlichen selbst sind eingebunden über Jugendbeteiligungsgruppen. Diese werden nach dem Hearing die Ideen mit den Verantwortlichen weiter verfolgen.

 

Wünsche werden gehört - und so gut wie möglich umgesetzt

 

 

Dass die Vorschläge nicht verpuffen, zeigen die vergangenen Hearings. Der Skaterpark und die Grillhütte, die noch in Arbeit ist, sind zwei Beispiele der realisierten Schülerideen. Burth nahm sich Zeit, die Wünsche zu besprechen. Was ist möglich, was liegt nicht in seiner Macht? Er ging auf die Anregungen ein und ordnete sie nach Machbarkeit ein. Hoffnung machte er für einen Wunsch für die kommenden Sommer: eine Rutsche am Steeger See.

 

Von: Schwäbische Zeitung, Dorothee Kammel