Zwei Neue Gesichter für die Aulendorfer Jugend

Sie sind jung, beenden demnächst ihre Ausbildung und haben bereits eine berufliche Aufgabe: Franziska Wiest und Florian Rudolph sind die neuen Gesichter in der Aulendorfer Jugendsozialarbeit. Die angehende Sozialarbeiterin und der Erzieher in Ausbildung haben am Dienstag ihren ersten Tag im Jugendtreff verbracht. Begeistert sind die beiden von den Räumlichkeiten am Schlossplatz. Bewusst ist ihnen aber auch, dass Jugendarbeit nicht nur fröhliches Tischkickerspielen ist, sondern sich mitunter auch im Spannungsfeld von Konflikten bewegt.

 

Wiest – 23 Jahre alt, lange dunkle Haare, freundlich-wache braune Augen – stammt aus Bad Buchau, wo sie auch heute noch im Musikverein Klarinette spielt. Sie wird Ende Februar in Wolfenbüttel bei Braunschweig, wo sie Soziale Arbeit studiert hat, ihre Abschlussprüfung ablegen. Die offene Jugendarbeit reizt sie. „Die Jugendlichen kommen freiwillig, da begegnet man ihnen auf einer ganz anderen Ebene.“ Zum Haus Nazareth, dem neuen personellen Träger der offenen Jugendarbeit in Aulendorf, kam sie über studienbegleitende Praktika. „Von den Mädels kam schon eine positive Rückmeldung, dass sie sich freuen, dass jetzt auch eine weibliche Ansprechperson da ist“, sagt Wiest und kann sich vorstellen, dass es künftig eine feste Mädchengruppe im Jugendtreff oder Projekte nur für Mädchen geben könnte, „wenn der Bedarf da ist“.

 

Zunächst allerdings steht das Ankommen im Vordergrund, das Kennenlernen der vorhandenen Strukturen und Angebote. Bereits angefangene Projekte, etwa „Meine Stadt, mein Spielfeld“, das die Umgestaltung des Platzes vor dem Jugendtreff und ein Reporter-Projekt beinhaltet, steht zwar nicht an erste Stelle, soll aber 2017 umgesetzt werden. Als nächstes „Großprojekt“ steht für die beiden neuen Jugendsozialarbeiter die Fasnet an. Auch dort wollen sie an Bewährtem festhalten. „Wir werden den Jugendtreff offen haben und einen Rückzugsbereich bieten“, sagt Wiest.

 

Vertrauen gewinnen

Jetzt wollen die Jugendsozialarbeiter nach und nach das Vertrauen der Jugendlichen gewinnen, ohne das eine offene Jugendarbeit kaum möglich ist. Am kommenden Dienstag soll es eine Art „Einstand“ im Jugendtreff geben. „Beziehungsarbeit ist ein langer Prozess“, sagt Florian Rudolph – kurze blonde Haare, braune Augen, kräftig-freundliche Stimme. Der 20-Jährige kommt aus Leipzig und macht in den verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe des Hauses Nazareth seine Ausbildung zum Jugend- und Heimerziehungspfleger. Er sammelte bislang an der Grundschule in Herbertingen und in der Schulsozialarbeit in Ostrach Erfahrungen. Zuletzt war er in der Jugendarbeit in Riedlingen eingesetzt. „Von dort kann ich viel für Aulendorf mitnehmen“, ist er sich sicher. Im Jugendtreff wird er für den Kids-Treff verantwortlich sein.

 

Auf jeden Fall bis zum Sommer will das Haus Nazareth nun mit diesem Zweigespann den Jugendtreff in Aulendorf betreuen. Formal wird Wiest die 75-Prozent-Stelle der offenen Jugendarbeit inne haben. Sie werde aber fürs Erste zu 100 Prozent in Aulendorf sein, quasi ein Geschenk der kirchlichen Stiftung, die hinter dem Haus Nazareth steht. Für Rudolph ist die Zeit im Jugendtreff in Aulendorf ein Teil seiner Ausbildung. „Uns ist wichtig, dass es hier gut ins Laufen kommt und unsere Auszubildenden die Möglichkeit haben, in viele Bereiche reinzuschnuppern“, erklärt Klaus Kappeler vom Haus Nazareth, der die beiden fachlich begleitet. Rudolph ist der einzige Mann zwischen Schulsozialarbeiterinnen und Wiest als Jugendsozialarbeiterin. Ob er nach seiner Ausbildung weiter in Aulendorf bleibt, ist indes offen. Wie nachhaltig die offene Jugendarbeit in Aulendorf über den Sommer hinaus aufgestellt ist, bleibt damit abzuwarten.

 

Jugendarbeit als Schnittstelle

Dass sie beide noch jung und frisch von der Ausbildung kommen, sehen Wiest und Rudolph als Vorteil. Sie seien eben noch nah dran an den Jugendlichen. Professionelle Distanz zu wahren und auch in kritischen Situationen reagieren zu können, trauen sie sich aber durchaus zu. Dass Jugendsozialarbeiter zwar keine Therapeuten sind, aber durchaus eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Institutionen und zu Hilfsangeboten sind, ist ihnen bewusst. Denn mitunter kommen die Jugendlichen auf die Sozialarbeiter auch zu, wenn es familiäre Probleme oder Liebeskummer gibt. „Das faszinierende an diesem Beruf“, sagt Rudolph, „ist, dass man morgens aus dem Haus geht, und noch gar nicht weiß, was heute auf einen zukommt.“

 

Bausteine und Projekte der Offenen Jugendarbeit

Das Haus Nazareth baut in der offenen Jugendarbeit in Aulendorf auf vier Bausteinen auf: Es soll während der Öffnungszeiten des Jugendtreffs auch regelmäßig einen Kids-Treff für Grundschulkinder und einen Teenie-Treff für die älteren Jugendlichen geben. Auch Hilfsangebote im Übergang zwischen Schule und Beruf werden verstärkt in den Fokus rücken.

 

Daneben steht die Gemeinwesenarbeit, also die Kooperation und der Austausch mit Vereinen, Schulen, der Flüchtlingssozialarbeit oder dem Jugendausschuss der Stadt. Ein dritter Baustein soll der Freizeitbereich sein. Dabei geht es die Weiterführung von Partys im Jugendtreff, etwa der Haloweenparty, aber auch um Angebote in den Ferien, etwa dem Kinderferienprogramm. Die offene Jugendarbeit in Aulendorf soll auchkünftig teilweise aufsuchende Jugendarbeit sein, so dass die Jugendsozialarbeiter etwa am Jugendplatz im Spitalweg oder anderen Aufenthaltsorten von Jugendlichen vorbei schauen.